Breite Bretter

2014-04-05 11.54.38

Obwohl ich ja in Sachen Bergsport bekennender Freund guten Materials bin, hab ich es noch nie für nötig gehalten, hier irgendetwas über das Zeug zu schreiben. Aber kürzlich hatte ich ein Aha-Erlebnis der besonderen Art, das ich hier jetzt doch mal loswerden muss.

Ich weiß, dass es viele von Euch bereits wissen, aber für alle, die wie ich im Tal der unwissenden Skitourenfanatiker haus(t)en: breite Ski bringens! Ich rede jetzt hier nicht von breiten Ski im Sinne von breiten Tourenski… ja, die sind meistens auch besser zum Abfahren als die 70 mm Spaghettis. Aber nein, ich meine diese Dinger, die den klassischen Skialpinisten eher an ein Snowboard erinnern (also so um die 120 mm Mittelbreite) und vorzugsweise von Menschen U25 mit besonders weiten Hosen und schweren Bindungen kombiniert werden. Natürlich ist da viel Marketing dabei, bei so einem Pro-Model-Freeride-Tool, und ich dachte bis jetzt auch, sowas kann man nur benutzen, wenn man einen Sponsor hat, der einem den Helikopter zahlt.  Aber erstens kommt es anders…

Die Vorgeschichte: Skitechnisch hab ich so einige Phasen und Trends durchlebt: Race-/Fun-/Extreme-Carving, Twin-Tip Jibberei, Sprung- und Dropversuche, Freeriden, Klassische Skitouren, Berchtesgaden-Style-Skitouren (die waren schon immer die Vorreiter der heutigen Rennanzugfraktion), Powder-Jagen, Skibergsteigen, Steilabfahrten, Skifahren mit Bergschuh, Alpinschuh, Freeride-Schuh, Skitourenschuh, Skitourenrennschuh, schmale Ski, leichte Ski, schwere Ski, kurze Ski, lange Ski, … usw., etc. Eigentlich war ich dann in letzter Zeit ganz glücklich mit einem K2 Wayback als Allround-Touren-Ski (88 mm), einem alten Fischer-Steinski und – wenns mal schnell bergauf gehen muss – dem legendären Elan Makalu von der Iris (ultralight und weich, 72 mm). Dazu noch ein Slalom-Carver zum Pisteln mit den Kids. Passt. Dann ein erster Mindchanger im Januar: Auf einer rassigen Skitour auf den Gschnitzer Tribulaun kommt eine Meute Jugendlicher und junger Erwachsener daher, die ihr schweres Equipment im gleichen Tempo wie wir da raufbringen (und sooo langsam gehen wir in der Regel auch nicht). Wir haben uns Dinge gedacht wie: hui, wir werden alt und naja in dem Alter hätten wir solche Ski auch noch den Berg raufbekommen. Mein Wayback wurde dann noch als Leichtski und Langlaufausrüstung bezeichnet 😉 Überhaupt diskutieren die freeridenden Kollegen den ganzen Winter über Mindestskibreiten und -gewicht, die Bergsteigerseele in mir sträubt sich aber immer noch gegen breit und schwer. Aber da ich mit der größeren der zwei Töchterchen doch wieder öfters beim Lifteln bin, denk ich mir, jetzt könnt ich doch mal so was Breites testen. Also muss eine gebrauchte Powder-Waffe her. Gesagt getan: gebrauchten Powderski gekauft… leider wurde der Winter dann schneetechnisch sehr bescheiden, also nix mit liftgebundenem Freeriden. Dann ein erster gescheiter Test auf der Zugi: bei zuviel Schnee versunken, und auch sonst irgendwie eher träge dieser riesige Ski, einzig beim Carven auf der Piste ging er überraschend gut. Also, Ski wird wieder verkauft.

Letzte Chance für die breiten Ski: es muss ein ähnliches Gerät her, aber mit Dynafit Bindung, damit das ganze auch vernünftig zum Einsatz kommt. Wieder gebraucht zugeschlagen, ein K2 Sideseth mit 118 mm in der Mitte und praktischerweise ist die Dynafit–Bindung so gebohrt, dass ich sie auf meine leichten Schühchen (Dynafit TLT6) und meine schweren Boots (BD Factor 130) einstellen kann.

Bei einer gemütlichen Schlechtwetter-Skitour war es dann doch noch so weit… ich konnte die neue Waffe diesen “Winter” noch ausführen. Eigentlich wollte ich nur schaun, ob ich damit mehr als 500 m gehen kann und ob ich damit überhaupt wieder runter komm ohne mir die Haxn zu brechen… schneetechnisch war an dem Tag nämlich nicht viel zu erwarten. Und dann das: Ich hatte seit Jahren/Jahrzehnten nicht mehr so viel Spaß beim Skifahren (und ich hab eigentlich immer ziemlich viel Spaß beim Skifahren 🙂 )! Weicher Sulz, ab und zu ein Deckel… aber so genau weiß ichs nicht, weil ich einfach überall durch- und drübergeflogen bin. Sensationell, der Wahnsinn, die reinste Freude!

Das Grinsen auf dem Photo war noch vor der Abfahrt. Ein viel breiteres Grinsen hab ich dann ein paar Tage lang nicht mehr aus dem Gesicht bekommen. Fazit: Öfter mal was Neues probieren war halt schon immer gut! Hier noch die Antworten auf die Fragen, die mich vor dem Einsatz eines solchen Skis für eine normale Skitour umgetrieben haben (und die vielleicht ja auch für den ein oder anderen von Euch interessant sind?):

NEIN, man braucht sowas nicht unbedingt, aber

JA, man hat damit sehr, sehr viel Spaß!

JA, man merkt den Unterschied beim Aufsteigen und

JA, es ist anstrengender.

JA, man kommt damit auch oben an.

JA, es lohnt sich.

JA, es lohnt sich nicht nur bei Powder.

JA, ich verstehe jetzt endlich, warum die jungen Leut immer so breite Ski durchs Gelände tragen.

NEIN, es lohnt sich wahrscheinlich nicht in jeder Situation.

JA, ein Rocker rockt (fast in jeder Situation) und besonders bei Ski mit größerem Ausmaß.

JA, ich kann den Ski auch mit meinem TLT6 fahren.

NEIN, ich verkaufe jetzt nicht alle meine anderen Ski, aber

JA, der Ski wird in Zukunft öfter zum Einsatz kommen als gedacht.

JA, ich lasse mich jetzt in Zukunft öfters bergauf mit einem Grinsen im Gesicht von der Rennanzugfraktion überholen und

JA, die Rennanzugfraktion darf sich bergab dann ruhig denken: “Mit so einem Ski könnt ich jetzt auch so fahren.”

JA, Dein nächster Skikauf wird jetzt vielleicht noch komplizierter und

JA, die Frage “Welcher Ski heute?” wird langsam echt knifflig zu lösen.

JA, wahrscheinlich ist das nur meine nächste Phase in Sache Skifahren, aber

JA, ich freu mich drauf 🙂

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